Samstag, 25. Juni 2016

[Rezension] Diana Gabaldon - Feuer und Stein (Outlander Saga 1)

Feuer und Stein (Outlander 1)

Autor: Diana Gabaldon
Genre: Historisch, Abenteuer
Erschienen: 04.05.2015 (Neuauflage)
Seiten: 1136
Einband: Taschenbuch
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3-426-51802-1
Preis: 14,99€ [Taschenbuch] | 12,99€ [eBook]

Rating: 





Inhalt

"Schottland 1946: Die englische Krankenschwester Claire Randall ist in den zweiten Flitterwochen, als sie neugierig einen alten Steinkreis betritt und darin auf einmal ohnmächtig wird. Als sie wieder zu sich kommt, befindet sie sich im Jahr 1743 – und ist von jetzt auf gleich eine Fremde, ein »Outlander«." - Quelle: Verlag


Cover  

Nagut, seien wir ehrlich: Das Cover der Neuauflage "Feuer und Stein" aus dem Droemer Knaur Verlag macht wirklich nicht viel her. Hätte ich nicht von vorherein nach dem Buch gesucht, wäre es mir vermutlich niemals aufgefallen - und selbst wenn, hätte ich ihm vielleicht nicht mal eine Chance zu geben. So schlicht und blau, mit ein paar Schattierungen und Schnörkeln, ist das einzig auffällige auf dem Cover die Schrift und das große Emblem, das als Fake-Lederschnalle das Gefühl vermitteln soll, man hätte es mit einem alten historischen Werk zu tun. Ein netter Kniff, aber leider nicht gut genug, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Ich mag es nicht besonders - und dass die nachfolgenden Bände gleich gestaltet sind und sich nur farblich unterscheiden, macht es leider nicht besser. Leider nur drei Sterne an dieser Stelle, und leider auch nur für die hübsche Impregnierung und dafür, dass es nicht ganz furchtbar hässlich aussieht. 

Charaktere  

Claire Randall: Als Claire nach den ewigen Wirren des zweiten Weltkriegs endlich ihren Ehemann in die Arme schließen kann, beschließen Sie, bei einem Ausflug nach Schottland ihr Wiedersehen zu feiern. Besonders viel Zeit haben die beiden leider nicht miteinander, denn eines Tages verschwindet Claire spurlos - und erwacht in einer anderen Zeit, zweihundert Jahre von ihrem bisherigen Leben getrennt. Doch trotz der schrecklichen Geschehnisse, die kurz darauf auf sie einprasseln, ist und bleibt Claire ein starker, gesetzter und vor allem sehr pragmatischer Mensch. Sie verliert auch in den kritischsten Situationen nur selten die Nerven - was auf Ihre bisherige Karriere als Lazarett-Krankenschwester zurückzuführen ist - und begegnet jeder Bedrohung mit Mut, Intelligenz, Wortgewandtheit und einer befriedigenden Prise Humor. Sie ist keine Heldin und sie ist trotz ihres guten Herzens gezwungen, Dinge zu tun, die ihr moralisch widersprechen, um zu überleben - sie kann weder kämpfen noch kennt Sie sich mit den Gebräuchen der Zeit besonders gut auf, doch mit ihrem geschichtlichen Hintergrundwissen und ihren Kenntnissen in der Heilkunst schafft Sie sich ihren Weg. Ich bewundere Claire und ich habe jede einzelne Seite aufgesogen, um mir daraus ein Bild von ihr zu schaffen. Sie ist eigensinnig, stur und egal, ob Sie ein Messer an der Kehle hat, oder vor frischer Verliebtheit nicht mehr weiß, wo oben und unten ist: Sie lässt sich von Männern nicht blind herumkommandieren, verfolgt ihre eigenen Ziele und ist alles, was man sich als Frau von einer Romanheldin nur wünschen kann. Ich liebe es, dass sie in Krisenmomenten, statt wie gelähmt nur von ihren eigenen, panischen Empfindungen zu schwafeln, die Situation kühl analysiert und dem Leser auf diese Weise stets ein detailliertes Bild zeichnet. Dass ihr Hirn - statt blind zu verzweifeln und sich auf eine Rettung durch andere zu verlassen - stets arbeitet, wie Sie weiter handeln sollte oder welche feine Wortwahl ihr dabei helfen könnte. Ihre Beziehung zu anderen Charakteren ist tief, aber niemals so tief, dass sie sich in unnötigen Schwafeleien, in Kitsch oder einem Gedankenkarussell verlieren könnte. Einfach ein Prachtexemplar von einer Frau, einem Charakter und einer Protagonistin. Danke dafür!

Jaime Fraser: Immer, wenn ich glaube, dass ich meinen ultimativen "Bookboyfriend" - das heißt meine heimliche Bücherliebe - gefunden habe, kommt ein anderer daher, der alle anderen in den Schatten stellt. So ist es auch mit James Alexander Malcom McKenzie Fraser. Der rüstige Highlander mit dem roten Haar, den blauen Augen, der gutmütigen, selbstlosen Art, gepaart mit der entzückenden Unerfahrenheit eines Junggesellen, dem elefantenartigen Sturkopf und dem Mut eines Löwen, hat er einfach alles, wovon ich eigentlich nur träumen kann. Und doch ist er nicht makellos. Er begeht Fehler - Fehler, die ihm selbst die hingerissenste Leserin nicht verzeihen kann -, er bewegt sich stets auf einer Grenze zwischen Moral und Heldentum, die einfach unsagbar faszinierend ist. Eine Stelle, die als die in der Community am meisten diskutierte Szene gilt, ließ mich meinen Glauben an Jamie verlieren, eine andere Szene brach mir fast das Herz. Ich kann nicht sagen, wie viel ich mit den beiden Protagonisten gelitten habe, aber es hat mich Tränen und Nerven gekostet, Sie auf ihrem Weg zu begleiten. Jamie ist in diesem Buch, das eine Zeit voll von Krieg und Grausamkeiten beschreibt, ein hoffnungsvoller Stern am Horizont, der einen in dem Glauben lässt, Frieden und Gerechtigkeit existieren auch dort noch irgendwo. Ein toller Charakter - und ich bin ihm mit Herz und Seele verfallen. Aber pssst, erzählt bloß meinem Freund nichts davon. 

Dougal McKenzie: Dieses Buch strotzt nur so von einzigartigen, wichtigen und bewundernswerten Charakteren und es gibt sicherlich andere Charaktere, die ihren Platz in meiner Charakter-Bewertung mehr verdient hätten, als Dougal McKenzie. Trotzdem habe ich ihn gewählt, da er merkwürdigerweise neben den beiden Protagonisten zu meinen Lieblingen zählt. Der schon recht betagte, glatzköpfige, vollbärtige Bruder des McKenzie-Clan-Anführers ist ebenso liebens- wie hassenswert. Er arbeitet stets nach seinen eigenen Interessen, und obwohl er Loyalität schwört und dennoch sein Wort bricht, kann man sich trotzdem immer auf ihn verlassen. Er ist ein hinterlistiger kleiner Mistkerl und trotzdem ein vertrauer Verbündeter. Ich liebe es, wie auch er auf einem schmalen Grat zwischen Schwarz und Weiß, Licht und Dunkelheit, Gut und Böse balanciert, dabei für mich aber niemals an Sympathie verliert. Wenn ihr wisst, was ich meine, würde mich eure Meinung dazu brennend interessieren!

Jonathan "Black Jack" Randall: Eigentlich ist es unrecht, ihn am Schluss aufzuführen, aber der Mistkerl hat es nicht anders verdient. Diana Gabaldon hat in Jonathan Randall einen Charakter erschaffen, der mir durch Mark und Bein geschossen ist. Er ist so giftig wie eine Schlange und mindestens ebenso gefährlich - und wenn ich mich damit nicht zu weit aus dem Fenster lehne, würde ich sogar behaupten, er ist mindestens so geistesgestört wie Ramsay Bolton und Geoffrey Barratheon aus George R. R. Martins Fantasie Epos "Ein Lied von Eis und Feuer" / "Game of Thrones". Ironischerweise sind die beiden Autoren sogar befreundet, weshalb ein gegenseitiger Einfluss sicher nicht abzustreiten ist. Randall ist ein Sadist par Excellence. Er quält, er schlitzt, er zertrümmert und er widert mich an, und trotzdem ist er einer der wichtigsten Faktoren in Claires und Jaimes Geschichte - ohne ihn wäre das alles nur halb so schön. Es ist paradox, doch Jonathan Randall ist das beste Beispiel dafür, das gute Antagonisten eine gute Geschichte erst so richtig ausmachen. Macht euch darauf gefasst, dass er euch bei lebendigem Leibe (bzw. beim Lesen) das Herz aus der Brust schneidet und dabei auch noch Spaß hat. Dieser miese Lauch!

Schreibstil  

Diana Gabaldon ist eine wahre Künstlerin. Während ich zu Beginn der Geschichte Sorge hatte, dass der Schreibstil möglicherweise zu trocken und zäh sein könnte, wie man es von einem historischen Roman nun mal erwartet, hat sie mich sehr bald vom Gegenteil überzeugt. Geschrieben aus Claires Perspektive weiß die Autorin sehr genau, wie man politische Intrige und persönliches Schicksal bestmöglich miteinander abmischt, wie man mit Detailreichtum und emotionaler Bindung zu einem Charakter unerträgliche Spannung aufbaut und welche wilde Macht in emotionalen Höhepunkten liegen kann, wenn man sie selten aber bewusst einsetzt, um dem Leser das Herz wahlweise höher schlagen zu lassen oder es ihm zu zerquetschen. Ich kann nicht in Worte fassen, wie unglaublich gut diese Frau ist. Wie nuanciert, wie wortgewandt, intelligent und unsagbar komplex ihr Schreibstil - nein, ihre ganze Geschichte! - ist. Man muss es selbst erlebt haben. 

Handlung  

Ich gebe zu, ich hatte meine Probleme, in den Roman reinzukommen. Das lag aber vor allem daran, dass ich die erste Folge der Serie gesehen hatte, bevor ich das Buch angefangen hatte, und mir die Zeit vor ihrem Sturz durch die Zeit unendlich lang vorkam. Ich wollte Action, Abenteuer und Spannung, aber so beginnt dieser Roman nicht. Feuer und Stein lässt sich Zeit, die Protagonistin einzuführen und mit vorausdeutenden Zeichen dem Leser kleine, versteckte Hinweise zu geben, was ihn im Folgenden noch erwarten könnte. Erst, wenn man die Schwelle ins 18. Jahrhundert überschritten hat, fängt man an zu begreifen, mit was für einem mächtigen Werk man es eigentlich zu tun hat. 1000 Seiten ... und ich habe mich auf keiner Einzigen davon gelangweilt. Kennt ihr das, wenn ihr regelmäßig auf die Seitenzahlen schaut, um stolz zu sehen, wie weit ihr schon gekommen seit? Beim Lesen von Feuer und Stein habe ich nur etwa alle 100-150 Seiten bewusst einen Blick auf die Seitenzahl geworfen und dann auch nur in der Angst, dass es möglicherweise bald schon vorbei sein könnte - nicht etwa, weil ich so viel Seiten hinter mich bringen wollte wie nur möglich. Ich finde, das sagt schon mehr über die Handlung des Buches aus, als ich es ohne zu Spoilern anders formulieren könnte. Das Abenteuer hat kein Ende. Es wirft einen hin und her, wiegt einen Sicherheit und Frieden und reißt einen dann zurück in die grausame Realität. Man liebt, man hasst, man weint, man lacht, man zittert, man wütet, man schreit, man schweigt, man schluckt.

Gesamtwertung 

Ich habe schon viele gute Bücher gelesen. Trotzdem meide ich in der Regel Bücher, die über tausend Seiten haben, einfach weil ich weiß, dass ich sie, egal wie gut sie auch sein mögen, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in der Mitte abbrechen werde, weil etwas anderes, besseres dazwischen kommt. Weil ich keine Geduld mehr habe, bis ich die Masse an Buchseiten hinter mich gebracht habe, weil ich endlich meinen SuB verkleinern will. Und obwohl ich wirklich lange gebraucht habe (4 Wochen mit im Durchschnitt 1 Stunde Lesen pro Tag), habe ich es durchgezogen ohne auch nur einen einzigen Gedanken an ein anderes Buch zu verschwenden, weil es einfach so unsagbar gut war, dass ich niemals aufhören wollte. Ich wollte die Highlands nicht verlassen, ich wollte Jamie und Claire in Sicherheit wissen, bevor ich das Schottland des 18. Jahrhunderts zurücklasse und mich in andere Geschichten vertiefe. Die Wahrheit ist: Ich bin immer noch dort. Und ich habe den zweiten Band der Reihe schon neben mir liegen und kann es nicht erwarten, nachhause zurückzukehren. Amen. 



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- Eure Bücherfüchsin