Samstag, 8. April 2017

[Rezension] Marion Hübinger: Water Love

Water Love

Autor: Marion Hübinger
Genre: Dystopie, Romantik
Erschienen: 27.02.2017
Seiten: 312
Einband: eBook / Taschenbuch
Verlag: Drachenmond Verlag
ISBN: 978-3-95991-258-7
Preis: 12,90€ [Taschenbuch] | 3,99 [eBook]

Rating: 




Inhalt

"Der neunzehnjährige Bela erwartet nicht mehr viel vom Leben. Nicht, nachdem seine Eltern vor drei Jahren bei einem Flugzeugunglück umgekommen und sein Großvater Laszlo, ein berühmter Maler, aus Ungarn zu ihm gezogen war. Erst recht nicht in einer Zeit, in der jeder die drastischen Bedrohungen des Klimawandels nervös verfolgt und sich fragt, wie er überleben wird. Wer zu den Waters gehört, wird das Glück haben gerettet zu werden. Seit Bela zurückdenken kann, regieren die Waters das Land. Doch Bela ist ein Landers, einer, der dazu verdammt ist, an Land zu bleiben, sollte es zur Katastrophe kommen. Warum muss ausgerechnet er sich in eine Waters verlieben? Warum muss genau in dem Moment die Smogwelle über Kiel Alarmstufe ROT auslösen und ihn und Sintje viel zu schnell wieder trennen? Als Bela im Bunker festsitzt, fragt er sich jeden Tag, ob es eine Hoffnung für ihre Liebe geben wird …" - Quelle: Verlag

Cover  ♥♥♥

Wie ihr wisst, isst das Auge bekanntlich mit - und so ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich Büchern mit einem für mich ansprechenden Cover sofort eine Chance gebe, während ich andere Bücher, deren Cover mich nicht so ansprechen, ohne zu Zögern ins Aus katapultiere. In diesem Fall war es ganz klar das Cover, das mich überzeugt hat, zuzugreifen. Wer mich schon länger verfolgt, der weiß, dass ich mit Covern ein großes Problem habe, die mir mit fotogenen Modelgesichtern meine eigene Vorstellung der Charaktere zerstören. Hier ist das glücklicherweise nicht der Fall! Und es hat nicht nur keine Modellvorlagen, es ist außerdem wunderschön. Die verträumte Bucht mit der untergehenden (oder aufgehenden?) Sonne, der Titel des Buches auf Sand gebettet und von der Sonne angestrahlt. Ich finde, wir haben es hier mit einem Cover-Meisterwerk zu tun, und ich hätte es vermutlich den liebenlangen Tag angestarrt, hätte ich Waterlove nicht als eBook gelesen. Meine Hochachtung an den Designer!

Charaktere  

Bela:  Leider bedeutet auch ein schönes Cover nicht immer, dass ich mit dem Inhalt auch 100% zufrieden bin. Ein Grund dafür ist für mich der liebe Bela. Als einer der der beiden Hauptcharaktere, aus deren Sichtweisen die einzelnen Kapitel erzählt werden, war er mir einfach zu glatt. Der junge Künstler weist während des ganzen Romans keine großartigen Fehler auf: er ist höflich, freundlich und hat einen starken Überlebenswillen. Das ist leider auch schon alles, was ich über ihn sagen kann. Er wird leider kaum äußerlich beschrieben, außer, dass im Verlauf der Geschichte seine Haare länger werden und ihm ein Bart wächst, weiß ich nicht wirklich, wie ich ihn mir vorstellen soll. Dies kann vermutlich reizvoll sein, möglichst wenig Vorgaben geben einem schließlich auch möglichst viel Freiheit in der eigenen Fantasie. Dennoch fühlte sich Bela für mich auf diese Weise nur noch vergessenswürdiger an. Er hat keine Fehler, keine Macken, keine offenen Fehden, keine Geheimnisse, keine Schwachpunkte, bis auf ein Mädchen, dass er gerade ein paar Wochen kennt und in das er sich ganz offensichtlich verknallt hat. Zwar hat Bela auch einen besten Freund und einen Opa, an dem ihm sehr viel liegt, doch er ist ohne zu Zögern bereit, das Leben dieser beiden aufs Spiel zu setzen, um nach einem Mädchen zu suchen, das er kaum kennt und das höchstwahrscheinlich nichteinmal in Gefahr ist. Weil nach so kurzer Zeit die Liebe so groß ist, sein eigenes Leben zu riskieren. (Wenn man will, könnte man argmunentieren, dass Bela also sehr wohl einen Fehler hat. Der ist allerdings weniger charakteristisch als unglaubwürdig). Man könnte also sagen, Bela definiert sich in der kurzen Zeit, die man mit ihm hat, ausschließlich durch seine Verliebtheit (und vielleicht seine künstlerische Ader). Leider hat es nicht gereicht, mich zu berühren. Ich konnte mich meistens nicht mit seinen Entscheidungen identifizieren, noch hat mich sein Schicksal viel gekümmert. Denn oft dominierte nur der Gedanke: So würde sich im lebensbedrohlichen Ausnahmezustand doch niemand aufführen!

Sintje: Mit Sintje dagegen habe ich mich wesentlich besser vertragen. Sie mag sich zwar ebenso fehlerlos und rein anfühlen wie Bela, doch hat sie zumindest ein Temperament, das mir gefällt. Sie lässt sich nicht gerne was sagen, spricht ihre Meinung laut aus und gibt gerne Kontra. Sie macht Fehler, für die sie hin und wieder büßen muss. Trotz ihres Temperaments bleibt Sintje leider fürchterlich passiv und versinkt recht schnell in Resignation, findet sich mit ihrer Situation ab. Sie versucht weder, etwas an ihrer Situation zu ändern, noch Bela auf irgendeinem Weg zu kontaktieren oder etwas über seinen Verbleib herauszufinden, sie bleibt eifnach wo sie ist und findet sich ab. Gut, das würde ich an ihrer Stelle vermutlich auch tun - schließlich kennen sich die beiden ersten seit ein paar Wochen, warum also das Risiko auf sich nehmen? Doch in Anbetracht der Tatsache, dass Bela bereits ein - in meinen Augen - schwacher Charakter ist, war Sintjes fehlender Tatendrang nur noch enttäuschender. Es fehlte einfach an Gründen, an Antrieb und Spannung für Sintje zu handeln. Das ist als weniger ihre Schuld, als die Schuld des sich in der Mitte des Romans schnell abbauenden Spannungsfadens. 
annungs

Schreibstil  

Marion Hübingers Schreibstil hat mich im Gegensatz zu ihren Charakteren überrauschend beeindruckt. Sie benutzt eine klare, moderne Sprache, wiederholt sich wenig und ist besonders gut darin, ihre apokalyptische Welt mit kleinen Details plastischer zu machen. Ich habe es wirklich sehr genossen, mir die Nachrichtenmaschinen und futuristischen Gerätschaften vorzustellen, die sie beschreibt, die Fachworte, die sie für bislang noch nicht existierende Dinge ihrer Welt erfindet. Ich konnte mich wunderbar einfühlen und mir diese Zukunft ausmalen, die sie mir präsentiert hat, denn sie fühlte sich absolut legitim an. Leider gab es auch einige Ungereimtheiten, die mir zwischenzeitlich aufstießen. So glaube ich kaum, dass die Weltbevölkerung auf 3 Millionen Menschen hinabsinken kann, ohne, dass das Folgen auf Ökologie und Lebensweise der Menschen hat. Die Anzahl der Bewohner der Stadt Berlin allein auf der Welt ... das wäre kaum vorstellbar, alles müsste anders funktionieren. Doch die Beschreibung der Endzeit bleibt auch hier wie auch an manchen anderen Stellen des Romans inkonsequent durchgesetzt. Die Menschen scheinen weit weniger Maschinen zu gebrachen, als sie es in der Gegenwart tun, dabei wissen wir alle, wie abhängig wir inzwischen von den medialen Welt sind. Die Wahrscheinlichkeit, das dies in Zukunft - ohne genannten Grund - zurück geht, halte ich für nicht gegeben. Hinzu kommt, dass ich den Versuch, moderne gesprochene Sprache in einen Text zu übertragen, zwar mutig finde, es mich jedoch immer wieder unangenehm zusammenzucken ließ, wenn ein Charakter voll lässig daherredete. Das ist allerdings mein ganz persönlicher Geschmack (wie eigentlich alles an dieser Rezension).

Handlung  ♥♥

Die Handlung des Romans empfand ich als wechselartig. Zu Beginn ging mir alles etwas zu schnell. Die Annährung der beiden Protagonisten war nett, aber weder besonders spektakulär oder mitreißend, noch besonders nachvollziehbar. Wie bereits oben erwähnt, scheinen die beiden schon nach ganz wenigen Annäherungen bis über beide Ohren verliebt und verhalten sich gerade gegen Ende hin, als seien sie bereits seit mehreren Jahren ein liebendes Paar. Es gibt Liebesgeschichten, die lassen mein Herz höher schlagen und meine Hände feucht werden und zaubern mir ein verliebtes Grinsen aufs Gesicht, weil ich das Gefühl habe, die Emotionen der Charaktere absolut mitempfinden zu können. Im Falle von Water Love blieb das Feuerwerk leider aus. Und auch die Frage, ob die beiden sich wiedersehen oder nicht, ob sie zusammen kommen oder nicht, hat sich mir nur mit einem Achselzucken gestellt. Schließlich war von Anfang an klar, auf was das Ende hinaus laufen würde. Ich hatte zu Beginn kaum Zeit, die beiden kennenzulernen und mit ihnen eine Liebe aufzubauen - ebenso wenig wie sie in der Realität wahrscheinlich in der Lage gewesen wären, eine Liebe zueinander aufzubauen. Der Mittelteil des Buches zog sich dagegen eher dahin, die Beschreibungen des Bunkers waren zwar spannend und gut und realistisch, doch Belas unvernünftiges, unnachvollziehbares Verhalten war mit der Zeit nervenaufreibend, vorallem, da seine Initiative auf sich warten ließ. Gegen Ende hin wurde es für ihn viel zu leicht und das Ende fühlte sich wenig überraschend an, sondern erinnerte dafür sehr stark an bereits exisiterende Bücher des Genres. Trotzdem habe ich mich am Ende dabei erwischt, wie ich das Buch nicht aus der Hand legen wollte, als die Spannung dann endlich kam und mich in ihren Bann schlug.

Gesamtwertung 

Würde man mich auffordern, direkt mit einem Wort zu beschreiben, wie ich Water Love fand, würde ich sagen: okay. Trotz seiner absolut schwachen und leider weniger erinnerungswürdigen Charaktere, ein paar logischen Ungereimheiten und einem eher langatmigen Mittelteil, hat mich der Großteil des Romans doch irgendwie unterhalten. Besonderen Spaß hatte ich an den Beschreibungen der dystopischen Welt, die auf diese Weise sicherlich noch nicht existiert, und vor allem vollkommen nachvollziehbar dargestellt wird. Hier punktet Marion Hübinger besonders mit ihrer detaillierten und kreativen Sprache. Außerdem haben es der Beginn und der Schluss der Geschichte geschafft, mich mit ihrer Spannung zu packen, ich kann also sehr wohl sagen, dass mich das Buch gut unterhalten hat. Ich hätte mir nur gewüscht, dass mehr Zeit darauf verwendet worden wäre, die beiden Charaktere und ihre Beziehung zueinander ordentlich einzuführen und auszugestalten, damit ich als Leserin in irgendeiner Weise mit ihnen verbunden bleibe.



Spannung
Romantik
Humor
Gewalt
Action

- Eure Bücherfüchsin